Indestor

INdustrial DESign TORino

Sitz:
Torino

Hinter Indestor stand ein einzelner Mann: Giacomo Bianco. Er hatte das Centro Stile von OSI in Borgaro bei Turin geleitet — ein 1965 aufgebautes Haus mit rund achtzig Leuten, das im November 1967 wieder geschlossen wurde. Zwei Monate darauf, im Januar 1968, eröffnete Bianco in Turin sein eigenes Büro und arbeitete von da an als Berater für Automobilfirmen. Der Name ist aus der Aufgabe zusammengesetzt: INdustrial DESign TORino.

Zwei Entwürfe auf Fiat-Grundlage sind überliefert. 1974 stand am Genfer Salon die Croisette, ein zweisitziger Strandwagen ohne Türen auf der Technik des Fiat 126. Zwei Jahre später wurde daraus die Cavalletta.

Die Cavalletta

Cavalletta heisst Heuschrecke. Was der Wagen sein sollte, steht in der Pressemappe von Fiat, die in diesem Archiv liegt: ein Mehrzweckfahrzeug für Freizeit, Gelände und Arbeit — vier Leute sollten darin Platz haben oder vier Säcke zu hundert Kilogramm.

Fiat nennt ihn dort «una proposta Fiat», einen Vorschlag von Fiat, und hält fest, der Wagen auf dem Stand sei ein Prototyp mit versuchsweise oder vorläufig eingebauten Teilen. Welcher Stand das war, sagt die Mappe nicht; ein Datum, eine Nummer und ein Entwurfsbüro stehen auf keinem ihrer Blätter. Dass die Cavalletta 1976 am Turiner Salon stand und dass der Entwurf von Indestor kommt, steht in der Literatur.

Bodengruppe, Radaufhängung, Lenkung, Kupplung, Getriebe, Achsantrieb und Bremsen kommen vom Fiat 126. Der Motor dagegen stammt vom Fiat 500 Giardiniera — der liegende Zweizylinder, auf 594 cm³ vergrössert und unter dem Ladeboden im Heck untergebracht. So bleibt die Ladefläche eben; fahren nur zwei mit, lässt sie sich bis ganz nach hinten verlängern. Die Leistung beträgt 21,5 PS (DIN), das grösste Drehmoment 3,8 kgm.

Offen fährt die Cavalletta ohne Türen und ohne Seitenwände, mit einem Überrollbügel hinter den Vordersitzen und einem Verdeck auf Spriegeln. Für den Winter gibt es stattdessen ein festes Dach aus Kunststoff, dazu Türen mit Schiebefenstern, Seitenfenster und eine aufstellbare Heckscheibe. Die Vordersitze lassen sich ganz wegklappen, die Sitzbank hinten ausbauen.

Am Vierganggetriebe sitzt ein Nebenantrieb auf der Eingangswelle, der rund 12 PS abgibt. Damit laufen Wasserpumpen, Beregnungs- und Spritzgeräte oder ein Generator mit 5 kVA und 230 bis 380 Volt, an dem Sägen, Bohrmaschinen, Schweissgeräte, Presslufthämmer, Melkmaschinen und Heckenscheren hängen können.

Der Wagen ist 3072 Millimeter lang und 1368 breit, der Radstand misst 1843, die Spur vorn 1142 und hinten 1203 Millimeter, die Bodenfreiheit beladen 150. Leer wiegt er 490 Kilogramm und nimmt eine Person und 400 Kilogramm zu. Er läuft über 100 km/h und schafft im ersten Gang 28 Prozent Steigung. Gebremst wird mit Trommeln an allen vier Rädern über zwei Kreise; die Räder messen 4 × 12 Zoll, hinten waren wahlweise 4 × 13 Zoll mit Reifen 145 SR 13 und eine kürzere Achsübersetzung vorgesehen.

In Serie ging die Cavalletta nicht, und ein zweiter Wagen ist nicht bekannt. Alle Angaben oben stammen aus der Pressemappe; sie steht mit den drei Pressefotos von Fiat unter Dokumentation.

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