Caprera
Carrozzeria Caprera Torino Italia
Die Carrozzeria Caprera stellt Rohkarosserien für verschiedene Autohersteller her. 1959 baute die Firma erstmals eigene Fahrzeuge für den Verkauf – zwei Modelle auf Fiat-600-Basis. Für den Salon 1969 wurde ein Coupé welches mit kleinen Änderungen zwei Mal hergestellt wurde, gebaut.
Die Firma
Caprera war ein kleiner Turiner Betrieb, benannt nach der Via Caprera, in der er lag. Er lebte zunächst nicht von eigenen Modellen, sondern von Auftragsarbeit für die grossen Namen der Branche: Caprera montierte und lackierte Rohkarosserien und richtete dafür eine maschinelle Lackierstrasse ein. 1959 wagte die Firma den Schritt zum eigenen Fahrzeug. Auf Fiat-600-Basis entstanden der Spider «Capri» und die Limousine «Amalfi»; beide fanden zu wenig Käufer und verschwanden rasch wieder. Danach hielt sich Caprera mit Nutzfahrzeugen über Wasser – Kastenwagen und Kleinbusse auf Fiat 600 T – und mit gehobenen Ausstattungen für Serienautos: bessere Sitze, Chromzierrat, Sonderfarben, eigene Radkappen und ein Wappen mit Turmkrone als Erkennungszeichen. Aus dieser Linie stammt auch der hier gezeigte 500 L. Daneben blieb der Ehrgeiz für Schaustücke: ein Kombi und mehrere Coupés auf Fiat 850, zuletzt das Coupé «Ragno». Für die Zeit nach 1971 sind keine Arbeiten mehr bekannt.
Lem
Ein Prospekt des Hauses zeigt, dass es das Coupé in zwei Ausführungen gab: die Grundversion hiess Lem, die gehobene Ragno-S. Beide werden als zweisitziges Coupé auf dem Fahrgestell des Fiat 500 angeboten. Für den Lem nennt das Blatt eine Kunststoffkarosserie auf Rohrrahmen, einen umlaufenden, in die Karosserie eingearbeiteten Überrollbügel, ein aufprallsicheres Armaturenbrett, Schalensitze, verbreiterte Felgen und eine der Luftfahrt entlehnte Linienführung. Der Ragno-S hat dieselben Merkmale und darüber hinaus anatomisch geformte Sitze mit eingebauter Kopfstütze sowie Sicherheitsgurte.
Die Preise stehen von Hand auf dem Blatt: 820 000 Lire für den Lem, 850 000 Lire für den Ragno-S; beim Ragno-S steht zusätzlich die Zahl 595, der Hubraum in Kubikzentimetern. Quer über den Fuss läuft der Werbespruch «E’ la vettura dei giovani ‹in›» – das Auto der jungen Leute, die dazugehören. Am Fahrzeug selbst kehrt der Name wieder: ein geschwungener Schriftzug «Lem 500» in derselben Schrift wie im Kopf des Prospekts.
| Aufbau | Coupé mit zwei Sitzplätzen |
|---|---|
| Fahrgestell | Fiat 500 |
| Hubraum Ragno-S | 595 cm³ |
| Karosserie | Kunststoff auf Rohrrahmen |
| Überrollbügel | umlaufend, in die Karosserie eingearbeitet |
| Armaturenbrett | aufprallsicher |
| Sitze Lem | Schalensitze |
| Sitze Ragno-S | anatomisch geformt, mit eingebauter Kopfstütze |
| Sicherheitsgurte | nur Ragno-S |
| Felgen | verbreitert |
| Linienführung | der Luftfahrt entlehnt |
| Preis Lem | 820 000 Lire |
| Preis Ragno-S | 850 000 Lire |
Ragno
«Ragno» heisst auf Italienisch Spinne. Das flache Coupé mit den Klappscheinwerfern zeigte Caprera am Turiner Salon; darunter steckt das Fahrgestell eines Fiat 500 F. Die Karosserie besteht aus Kunststoff und sitzt auf einem Rohrrahmen. Für den Ragno-S ist ein Hubraum von 595 cm³ angegeben. Zur Serie kam es nicht – die Fertigung war zu teuer und die Karosserie zu schwer für den kleinen Zweizylinder. Lange galt der Wagen als Einzelstück, bis in Italien ein zweiter auftauchte. Welcher der beiden am Salon stand, ist bis heute nicht geklärt. Angeboten wurde der Wagen in zwei Ausführungen; der Ragno-S war die gehobene Fassung des Lem.
Berlina
Der zweite Wagen ist keine Sonderkarosserie, sondern ein serienmässiger Fiat 500 L, den Caprera veredelt hat. Zu erkennen ist das am Wappen «Caprera Torino» neben dem Schriftzug auf der Heckklappe und am gleichen Wappen im Tachoglas – der Tacho reicht bis über 140 km/h statt bis 130. Zu solchen Ausführungen gehörten ausserdem bessere Sitzbezüge, Sonderfarben und eigene Radkappen. Wie viele Wagen so hergerichtet wurden, ist nicht bekannt.