Franco Bosio

«Il pilota» von Melegnano

Bosio kam aus Melegnano — derselben Kleinstadt südöstlich von Mailand, in der LAB seine Wagen baute.

Der Anfang

Er begann in Rallyes mit einem Alfa Romeo Giulia ti, kam dann mit einem Stanguellini Formula Junior auf die Rennbahn. Danach die Formula 875 Monza: gefahren wurde am Donnerstagabend auf dem Junior-Kurs, der kurzen Fassung der Bahn von Monza.

Seinen ersten Wagen dieser Klasse kaufte er mit seinem Freund Angelo Lavesi von der Scuderia Salvati: einen Ambivero, dessen Fahrgestell aus Installationsrohr gebaut war. Lavesi war Mechaniker, Zeitnehmer und Vertrauensmann in einem.

SCAM — Squadra Corse Auto Melegnano

Aus dem Freundeskreis wurde eine Mannschaft: SCAM, Squadra Corse Auto Melegnano. Dazu gehörten unter anderen Giuseppe Confalonieri, Antonio Bonini, Giuseppe Cremonesi, Giancarlo Santarelli, die Brüder Raineri sowie Carlo und Orazio Riponi.

Der 24. September 1971

Auf einem LAB trug sich Bosio am 24. September 1971 in die Siegerliste der Formula Monza ein. Im Endstand jenes Jahres wurde er Dritter mit 27 Punkten; 1972 stand er als Sechster mit zwölf Punkten in der Wertung, damals auf Santandrea.

Später fuhr er Formula 850 und schloss sich der Scuderia Concordia in Mailand an. Sein Formula-Monza-Wagen ging an Aldo Cavallini, der ihn bis 1978 fuhr.

Was danach kam

Er hörte ganz auf: «Seit ich aufgehört habe zu fahren, war ich nicht einmal mehr als Zuschauer auf einer Rennbahn.» Vom Automobil kam er trotzdem nicht los. Er wurde Fahrer für grössere Betriebe und Freiwilliger der Croce Bianca in Melegnano — einer der ersten «piloti del cuore», die Organe zu Transplantationen fuhren. Für die ersten Formationen der Protezione Civile fuhr er in Katastrophengebiete.

Und er führte Wohnmobilkarawanen — am liebsten nach Norden, mit der unvermeidlichen Fahrt zum Nordkap, und hinter den Eisernen Vorhang, lange bevor jene Grenzen fielen. Reisen, die damals vor allem Träume waren; er half, sie wahr zu machen.

An seinen «Lehrmeister» Lorenzo Bandini dachte er noch lange zurück. Und an die Anfahrt zur ersten Schikane, wenn keiner nachgeben wollte — und an Michele Alboreto, Lella Lombardi und Giovanni Salvati.

Franco Bosio ist 2026 im Alter von 83 Jahren gestorben. Luciano Passoni, der ihn Jahre zuvor befragt hatte, schrieb ihm den Nachruf: ein Mann aus einer Fahrergeneration, bei der die Begeisterung vor der Technik kam — und der sich am Ende «nur dem unaufhaltsamen Lauf der Zeit» geschlagen gab.

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