Lella Lombardi
Maria Grazia Lombardi, 1941–1992
Sie kam am 26. März 1941 in Frugarolo zur Welt, einem Dorf von zweitausend Einwohnern im Piemont, achtzig Kilometer südöstlich von Turin. Ihr Vater war Metzger und Viehhändler und arbeitete zwischen Frugarolo und der ligurischen Küste. Sie war die jüngste von vier Töchtern und mass einen Meter siebenundfünfzig.
Der Vater war gegen das Rennfahren. War sie nicht dabei, erzählte er stolz, was die Lokalzeitungen über seine Tochter schrieben. Bezahlt haben es andere: ihre Partnerin Fiorenza, eine Schwester und ihr Schwager.
Man nannte sie «Tigre di Torino», die Tigerin von Turin. Der Name stammt von einem Journalisten und passte nie recht – mit Turin hatte sie wenig zu tun.
Der Anfang, 1965
Ihren ersten Rennwagen kaufte sie 1965: einen C.R.M. der Formula 875, das Fabrikat, das in jenem Jahr die meisten fuhren. Das Geld war knapp, sie zahlte in Raten.
Der Wagen traf auf einem Lastwagen ein, eine Stunde vor ihrem ersten Rennen. Ihre Mannschaft bestand aus zwei Leuten: dem Dorfschmied, der etwas von Motoren verstand, und Pino, einem Freund aus Kindertagen. Ab Mai half der Autobetrieb von Sandro Moroni in Lodi.
Gemeldet von der Scuderia Moroni bestritt sie im Mai 1965 in Monza die Trofeo Cadetti. Sie blieb unplatziert. Das Feld war gross.
Was daraus wurde
1970 gewann sie die Formula 850 mit einem Biraghi Fiat und vier Siegen. Dann Formel 3 mit Lotus und Brabham. 1974 wurde sie Fünfte der europäischen Formel-5000-Meisterschaft mit einem Lola T330, mit vierten Plätzen in Brands Hatch, Monza, Oulton Park und Mallory Park. Im November desselben Jahres fuhr sie in Australien den Grossen Preis in Oran Park.
Der halbe Punkt
1975 kam sie bei March in die Formel 1, ermöglicht durch Graf Gughi Zanon di Valgiurata. Beim Grossen Preis von Spanien in Montjuïc wurde sie Sechste. Das Rennen war nach dem Unfall von Rolf Stommelen abgebrochen worden, es gab halbe Punkte – und damit ist sie bis heute die einzige Frau, die in der Weltmeisterschaft gepunktet hat.
Ihr Auto taugte nichts, und man glaubte ihr nicht. Die ganze Saison klagte sie, der March schiebe in die Kurven und breche hinten aus, sobald sie Gas gebe. Vittorio Brambilla fuhr ein paar Runden und fand nichts. Erst als Ronnie Peterson ein Jahr später dasselbe beschrieb, zerlegte man das Chassis: der gegossene Magnesium-Querträger hinten war gerissen.
Danach fuhr sie Sportwagen, vor allem für Osella, und wurde 1981 Vierte der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Von 1982 bis 1986 Tourenwagen für Alfa Romeo. Nach der Saison 1985 erkrankte sie an Krebs. Sie starb am 3. März 1992 in einer Klinik in Mailand.
Ihr Anfang ist urkundlich belegt: In der Nennliste der ersten Coppa Cadetti 875 Monza vom Mai 1965 steht sie mit der Startnummer 29, genannt von der Scuderia Moroni, auf einer C.R.M. Ihr Wagen mit dem Motor der Fiat 500 Giardiniera wurde in Modena gebaut — das Fahrgestell von Manicardi & Messori, die Karosserie von Fantuzzi.