Meine Laika

Die Geschichte zu meiner Laika

Ich suchte schon lange nach einem Wohnwagen für den Fiat 500. Ich habe mich durch die einschlägige Dokumentation durchgewühlt, habe den einen oder anderen an Treffen studiert. Zu klein sollte er nicht sein, ich möchte mich noch bewegen können. Die Zeltklappanhänger konnten mich aber nicht richtig überzeugen. Die meisten Wohnwagen sind jedoch zu hoch und wirken beim Fahren sofort als Bremsfallschirm. Da stolperte ich beim Stöbern auf Wohnwagen-Oldtimer-Foren auf einen zusammenkurbelbaren Wohnwagen! Das könnte es sein.

Im weiten Internet stolperte ich über einen alten Prospekt: Gibt es so etwas noch? Wo findet sich so was? Mein „So-etwas-muss-doch-zu-finden-sein“-Trieb liess mir keine Ruhe. 2006 habe ich bei einem Fiat-500-Fan in Frankreich Fotos gefunden – er hatte seinen bei eBay gefunden und gekauft. Es gibt ihn also wirklich! Ein Jahr später fand auch ich einen, doch aufgrund des Fantasiepreises von 5000 Euro wurde nichts daraus.

Dann fand ich lange, lange nichts mehr. Ich schrieb sämtliche Laika-Händler in der Schweiz, Italien, Deutschland und Frankreich an. Dies brachte lediglich ein Foto zum Vorschein und diverse Leute, die mir sagten, sie hätten noch nie einen gesehen.

In einer langen Nacht Ende Oktober 2011 wühlte ich mich auf verschiedenen Verkaufsplattformen durch und suchte wieder einmal mit dem Suchbegriff „Laika 500“ – und fand zu meinem Erstaunen tatsächlich ein Inserat. Das erste überhaupt für so einen Wohnwagen. Die erste Euphorie wich einem „Sch…e“, als ich las, wo der Wagen stand: Palermo, nicht gerade nebenan. Doch es liess mir keine Ruhe. Ich telefonierte mit dem Besitzer: der Wohnwagen sei komplett, nicht mehr der schönste, gebe noch etwas Arbeit, sei aber sehr selten, Papiere seien vorhanden. Auf meine Frage, ob man ihn anhängen und nach Hause ziehen könne, antwortete er mit einem „ma certo“.

Dann ging es schnell: Ich schrieb ihm eine Mail mit meiner Adresse, er mir eine mit seinen Kontodaten, schwups waren die Euros überwiesen – und ich bekam ein mulmiges Gefühl: Verarscht mich jetzt da einer? Schliesslich hatte ich den Wohnwagen nur auf Bildern gesehen.

Nun versuchte ich ein Transportunternehmen zu finden, welches den Wagen zu einem vernünftigen Preis in die Schweiz holen würde – leider ohne Erfolg. Ich war schon einmal mit dem Fiat 500 auf Sardinien gewesen, damals per Fähre. Wieso sollte das mit Sizilien nicht auch gehen? Das Ticket inklusive Auto, Sitzplatz und allen Abgaben kostete nur 81 €.

Am 9.11.2011 begann die Reise: Thun ab Richtung Kandersteg, Autoverlad durch den Lötschberg, weiter über den Simplon nach Italien, an Alessandria vorbei bis zum Hafen von Genua. Auf der Fähre nach Palermo verbrachte ich die Nacht auf drei Polsterstühlen. Nach 20 Stunden und einer Stunde Verspätung kamen wir in Palermo an. Eine schnelle Fahrt durch die Stadt brachte mich zu Nino, dem Verkäufer, wo mich zwei kläffende Hunde und – in derselben Halle – ein 2300er Alfa Romeo aus den 40er-Jahren sowie diverse Lancias und ein Ford Mustang begrüssten. Die Anhängevorrichtung war nur mit einer wackligen Schraube fixiert, die Beleuchtung funktionierte nicht. Mit einem Verlängerungskabel richtete ich ein Provisorium ein und hängte den Wohnwagen an.

Die Zeit lief davon: In 30 Minuten sollte die Fähre zurückfahren. Als ich um 22:55 Uhr am Hafen ankam, war sie bereits vor 10 Minuten ausgelaufen. Ich entschied mich, zum nächsten Hafen zu fahren – doch auch diese Fähre verpasste ich. Schliesslich bekam ich ein Ticket für eine Fähre nach Salerno, 900 km von Genua entfernt. Mit zwei Autos und rund 25 Lastwagen legten wir um 2 Uhr ab. Gegen 10 Uhr liefen wir in Salerno ein, und die lange Fahrt über Napoli, Roma, Firenze, Pisa und Genova nach Alessandria begann.

Da die Fahrzeugpapiere noch nicht bereit waren, nahm ich den Wohnwagen zunächst nur bis ins Sommerhaus im Piemont mit. Über Gondo, Simplon, Brig und Visp – kurz nach Mitternacht, den letzten Zug natürlich verpasst – ging es weiter durchs Rhonetal nach Hause. Nach 1857 pannenfreien Kilometern fiel ich müde ins Bett. Und es hat Spass gemacht!

Im Dezember erhielt ich per Einschreiben die Papiere: ein neuer Fahrzeugausweis auf meinen Namen. Doch das Wetter liess es zunächst nicht zu, die Laika endgültig in die Schweiz zu holen. Erst im Februar, nach viel zu viel Schnee, konnte ich die Reise in Angriff nehmen – diesmal mit Autoanhänger. Auf der Fahrt durch den Simplontunnel riss die Druckwelle eines entgegenkommenden Zuges ein Loch in die Plane des Anhängers; bei voller Fahrt musste ich aussteigen und die Plane von Hand befestigen. Zum Glück blieb es bei Kratzern, und die Versicherung übernahm den Schaden.

Mit zwei Stunden Verspätung kam ich schliesslich in Vaglio an, befreite den Wohnwagen von seiner Schneelast und verlud ihn rückwärts auf den Anhänger. Die Rückreise verlief danach problemlos, und noch am selben Abend war ich zu Hause. Hier geht es zur Restauration meiner Laika.

Fiat 500
Überblick

Diese Seite setzt zwei Cookies, die für den Betrieb nötig sind: eines merkt sich die gewählte Sprache, das andere Ihre Antwort auf diesen Hinweis. Es werden keine Besuche ausgewertet, keine Profile gebildet und keine Daten an Dritte weitergegeben. Näheres in der Datenschutzerklärung.