Die Geschichte zu meiner Laika


Aus Historie LAIKA

Die Geschichte von Laika beginnt im Jahre 1964, dem Entstehungsjahr. Es war die Zeit der Erforschung des Weltraums und der Entdeckung des Unbekannten.
Der Gründer, Giovambattista Moscardini, war von diesen Abenteuern, die neue Erkenntnishorizonte öffneten, fasziniert. Das ist auch der Grund, warum die Firma ihren Namen von der ersten Hündin hat, die in den Weltraum geschickt wurde. Als Logo wählte man dementsprechend den roten geflügelten Windhund. 1964 war auch das Jahr des ersten Caravanmodells, des kleinen "500"er. Er war so klein, daß er von einem Fiat 500 gezogen werden konnte.


Laika 500

Ich suchte schon lange nach einem Wohnwagen für den Fiat 500. Ich habe mich durch die einschlägige Dokumentation durchgewühlt, habe den Einen oder Anderen an Treffen studiert. Zu klein sollte er nicht sein, ich möchte mich noch bewegen können. Die Zeltklappanhänger konnten mich aber nicht richtig überzeugen. Die meisten Wohnwagen sind jedoch zu hoch und wirken beim Fahren sofort als Bremsfallschirm. Da stolpere ich beim Stöbern auf Wohnwagen-Oldtimer Foren auf einen zusammenkurbelbaren Wohnwagen! Das könnte es sein. Die technischen Daten:

Länge 2,31m, Breite 1,72m und dann, Höhe geschlossen 1,55m und geöffnet 2,25m  Gewicht leer 180kg und 3 Schlafplätze ?

Aber alles der Reihe nach?.

 

Im weiten Internet stolperte ich über diesen Prospekt:

 

Gibt es so etwas noch? Wo findet sich so was? Mein "Soetwasmussdochzufindensein" Trieb lässt mir keine Ruhe.  Internet bzw Google sei Dank!! 2006 habe ich bei einem Fiat 500 Fan in Frankreich Fotos gefunden. Er hat seinen bei eBay gefunden und gekauft. Es gibt ihn also wirklich!

 

Ein Jahr später habe auch ich einen gefunden! Doch aufgrund des Fantasiepreises von 5000 Euro wurde nichts daraus.

Dann fand ich lange, lange nichts mehr. Ich schrieb sämtlicher LAIKA Händler in der Schweiz, Italien, Deutschland und Frankreich an. Dies brachte lediglich ein Foto zum Vorschein und diverse Leute die mir sagten: noch nie gesehen.

Dieser soll im Museum von Laika ausgestellt sein:

Es vergingen einige Jahre. Wie es so ist, wenn man nicht mehr sucht, stolpert man plötzlich darüber.

In einer langen Nacht Ende Oktober 2011 wühle ich mich auf den verschiedenen Verkaufs-Plattformen durch und halte nach speziellen Fiat 500 Ausschau. Dabei versuche ich wieder einmal mit dem Suchbegriff Laika 500 und finde zu meinem Erstaunen tatsächlich ein Inserat. Das erste überhaupt für so einen Wohnwagen.

 

Die erste Euphorie weicht einem "Sch....e" als ich lese wo der Wagen steht: Palermo, nicht gerade neben an. Doch es lässt mir keine Ruhe. Ich telefoniere mit dem Besitzer: der Wohnwagen ist komplett, nicht mehr der schönste, gibt noch etwas Arbeit ist aber sehr selten, klar Papiere sind vorhanden. Auf meine Frage ob man ihn anhängen und nach Hause ziehen kann, antwortetet er mit einem "ma certo", ich als Italiener hätte da ruhig ein bisschen stutziger sein können.  Dann ging es schnell: ich schrieb ihm ein Mail mit meiner Adresse, er mir eins mit seinen Kontodaten, schwups die Euros waren überwiesen und ich bekam ein mulmiges Gefühl: verarscht mich jetzt da einer? Schliesslich hatte ich den WoWa nur auf Bilder gesehen.

Ich rief einige Tage später an und fragte, ob mein Zahlung eingetroffen sei. Auf meinen Hinweis, dass ich nächste Woche den Wohnwagen abholen käme, antwortetet er mit einem OK. Ich hatte mir in meinen Alpträumen schon vorgestellt, dass er 10 nein 100 Ausreden hätte, warum es gerade dann nicht gehen würde.

 

Wo steht das "Ding" denn überhaupt?

Nun versuchte ich ein Transportunternehmen zu finden, welches den Wagen zu einem vernünftigen Preis in die Schweiz holen würde. Leider scheiterte ich immer daran, dass das "Vernüftig" von mir, nicht mit dem "Vernüftig" des Unternehmens in Einklang zu bringen war.

Ich war schon einmal mit dem Fiat 500 auf Sardinien. Damals liessen wir uns mit der Fähre übers Meer chauffieren. Wieso sollte dies mit Sizilien nicht auch gehen. Im Internet die Fähre herausgesucht, Buchung gestartet, doch da der nächste Schreck. Der Preis!! Ich traute meinen Augen nicht, mein Ticket inkl. Auto, Sitzplatz und allen Abgaben kostet 81?. Wieso ist das so billig? Rostloch im Kahn? Na ja, jedenfalls 2 Tage vor der Abreise telefoniere ich noch einmal mit dem Verkäufer: Ich komme morgen, alles in Ordnung? Papier umgeschrieben? Es sei alles iO. Die Papiere sind beim Amt und werden vorbereitet. OK dann buche ich jetzt einmal.

Es wurde tatsächlich dieser Betrag auf der Karte abgebucht, wie können die für so wenig Geld eine solche Überfahrt anbieten?

Ich studiere den Fahrplan und lege mir folgendes zusammen:

23:00 Abfahrt Hafen Genua nach Palermo, Reisezeit gemäss Webseite 20 Stunden, Rückfahrt wieder um 23:00 aus Palermo. Somit habe ich 4 Stunden Zeit Wohnwagen abholen, Kaffe trinken, zurück zum Hafen einchecken, und um 23:00 wieder zurück nach Genua zu schiffen. Das reicht locker, der Wohnwagen steht gemäss Verkäufer 10km vom Hafen entfernt.

                     

 

Na ja, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt ?..

 

Am 9.11.2011 beginnt die Reise.

Ich fahre 12:30 in Thun ab um den Autoverlad in Kandersteg zu erreichen. Ich komme in Kandersteg an und der Zug fährt vor meiner Nase weg. Das hätte mir ein Zeichen sein sollen, aber eben, in 30 Minuten fährt der Nächste ? kein Problem. Im Wallis wunderschönes Wetter, weiter Richtung Brig. Aha der Zug Brig - Iselle fährt erst in 90 Minuten, ist doch auch kein Problem ? ich fahre über den Simplonpass. Dies war abgesehen von den 20 Minuten Wartezeit vor einer Baustelle auch kein Problem. Schönstes Wetter und Schnee erfreuten mein Auge.

Gegen 15:00 passierte ich die Grenze. Der Zöllner lacht mich an und winkt mich durch. Auf der A26 Richtung Allessandria mache ich bei der Raststätte Borgomanero eine Kaffepause, diesmal hat es keine Fiat 500 Modellautos. Weiter auf der Autobahn Richtung Alessandria. Um 19:30 viel zu früh, erreiche ich den Hafen von Genua. Da habe ich ja genügend Zeit noch etwas essen zu gehen. Gesagt getan und dann zum Check In. Meine übers Internet ausgedruckten Tickets wurden problemlos angenommen und schon bald durfte ich mit dem Auto in den Bug des Schiffes verschwinden.

Auf der Fähre esse ich eine Kleinigkeit und geniesse die Vollmondnacht an Deck. Ich gehe dann in den Schlafraum und kann mich über 3 Polsterstühle breit machen. Mit schlafen ist das so eine Sache. Vor mir hat es Füsse die so stinken, als wenn sie mindestens 3 Wochen nicht gewaschen worden sind. Hinter mir schnarcht es. Zum Glück höre ich auf einem Ohr nichts, so konnte ich mich auf das Andere legen und trotzdem etwas schlafen.

Nach 20 Stunden Schwimmzeit und einer ganzen Stunde Verspätung kamen wir in Palermo an. Wunderbar war das Spektakel vom Deck aus, tausende Lichter der Stadt erhellten den Hafen. Zentimetergenau legte der Kapitän das Riesending an, ich staunte nur. Die Dame an der Reception bestätigte mir, dass das Auslaufen sicherlich 30 - 60 Minuten später stattfinden würde als geplant. Dies beruhigte mich, denn ich hatte mit wenig Reserve gerechnet. Jetzt bemerkte ich, First In - Last out. Es wäre besser gewesen nicht so früh in Genua an Bord zu gehen. Wieder waren 30 Minuten vorbei. Ich telefonierte mit dem Verkäufer und er gab mir die genaue Adresse für das GPS durch.

Eine eher schnelle Fahrt durch Palermo brachte mich schnell an einen Vorort von Palermo. Die wunderschöne Aussicht auf die Stadt und das Meer konnte ich nicht so geniessen. Durch ein Schlottertor über einer Holperstrasse umgeben von spitzigen Kakteen gelangte ich zu einer Halle wo ich von 2 kläffenden Hunden begrüsst wurde. Nino der Verkäufer brachte die Hunde weg und ich konnte aussteigen. Da war er, mein "neuer" Wohnwagen.

Ich entdeckte, dass die Anhängevorrichtung nur mit einer Schraube fixiert war, fixiert war der falsche Ausdruck. Das Teil hatte in alle Richtungen 2 cm Spiel. Ich fragte nach einer Schraube und er öffnete das Tor zur Halle. Jetzt war mir klar warum die Hunde wachten. Ein 2300 Alfa Romeo aus den 40er Jahren stand da. Weiter hinten diverse Lancias aus den 40er bis in die 60er Jahre, ein Ford Mustang und einige springende Pferdchen standen auch im Stall. Ich bekam die gewünschte Schraube und befestigte die Anhängevorrichtung. Da ich nicht an die perfekt gelagerten Wohnwagenreifen glaubte, hatte ich vorsorglich 2 Felgen mit neuen Pneus mitgenommen. Die montierten Radialreifen waren wohl die Originalbereifung. Als ich den Stecker für die Beleuchtung in die Hand nahm, traute ich der Funktion nicht. Einstecken und siehe da, kein einziges Lämpchen funktionierte. Stecker wechseln brachte keine Besserung und so entschied ich mich mit einem Stromverlängerungskabel ein Provisorium einzurichten. Nur gerade die Rücklichter ohne Blink- und Bremslichter konnte ich anschliessen. UND DIE ZEIT LÄUFT DAVON. In 30 Minuten würde die Fähre planmässig fahren. Ich hängte den WoWa an und flog Richtung Hafen. Upss.. noch schnell ein Kontrollschild mit Kugelschreiber schreiben und tschüss?.

Die beiden Einfahrten waren geschlossen und so entschied ich mich durch den Ausgang auf das Hafengelände zu fahren. Es war 22:55. Das erste Fahrzeug war natürlich von der Guardia di Finanza. Ich hielt an und fragte wo das Schiff und der Check In sei. Ganz gemütlich antwortete er mir: das Schiff ist vor 10 Minuten ausgelaufen. Ja und was jetzt? Da gab es 2 Möglichkeiten:

     1. Warten. -- Morgen fährt auch wieder ein Schiff.

     2. Zum nächsten Hafen fahren, die Fähre nach Livorno zu nehmen und so dann noch 200km auf der Strasse nach Genua.

Das schien mir die schnellere Variante zu sein. Ich liess mir erklären wie ich dorthin fahren sollte und ich staunte nicht schlecht, als mir der Polizist erklärte:

da vorne beim Linksabbiegeverbot biegen sie ganz vorsichtig links ab und dann müssen sie ... und dann .... Aber sie müssen schnell fahren, um 24:00 fährt die Fähre ab. Dabei machte er mit der Hand so eine schnelle Vor- und Rückwärtsbewegung, um das "schnell" noch zu betonen.

Ich raste ganz "gemütlich" die 42km zum nächsten Hafen und musste feststellen, dass ich auch diese Fähre verpasst hatte. Die freundliche Frau antwortete auf mein "was nun": ja da fährt in 2 Stunden noch eine Fähre nach Salerno. Ich war froh doch noch von der Insel wegzukommen und kaufte das Ticket ohne weiter zu fragen.

Als ich im Wagen wartete, fragte ich mich: wo ist eigentlich dieses Salerno? Puuuhhh! Google Maps sagte mir: 900km bis GENUA!

Mit 2 Autos und etwa 25 Lastwagen legten wir um 2:00 ab. Müde ging ich zu meinem Polsterstühl und schlief die wenigen Stunden bis zum Morgen. Der Gerüch von frischem Kaffe weckte mich dann auch schon um 7:00 und das "Briosch" dazu war noch warm. Langsam kam der Hafen immer näher. Auch der Handyempfang funktionierte wieder. Salerno, eine antike Hafenstadt vor einer hohen Klippe.

Gegen 10:00 liefen wir in Salerno ein, wunderschönes Panorama und warmes Wetter. Mit 25km/h ging es den Berg hinauf Richtung Autobahn und ich dachte so komme ich nie an!

Ich sagte mir, der Weg ist das Ziel und schon rauschten die Ortschaften an mir vorbei, Napoli, Roma, Wegweiser nach Firenze, Pisa, Genova, Allessandria. Ach ja, ich hatte noch vergessen: die Papiere waren natürlich nicht fertig und so hatte ich mich entschieden den Wohnwagen "nur" bis in unser Sommerhaus im Piemont mitzunehmen und diesen dann später zu holen.

In Vaglio angekommen nahm ich den Wohnwagen vom Hacken, parkierte ihn möglichst nahe an der Hauswand und schon ging die Fahrt weiter. Am Zoll in Gondo war niemand mehr und ich konnte durchfahren, Simplon, Brig, Visp, wie spät ist es? 23:55 so so, der letzte Zug ist in Goppenstein um 23:20 gefahren. Das Verpassen der Beförderungsmittel schein richtig an mir zu kleben! Nach so vielen Kilometer spielt es keine Rolle mehr, weiter geht es das Rhonetal hinunter über Sierre, Montreaux, Bern und Thun bis nach Hause. Nach 1857 pannenfreien Kilometer falle ich müde ins Bett.

.... UND ES HAT SPASS GEMACHT!!             

 


Im Dezember erhielt ich per Einschreiben die Papiere: ein neuer Fahrzeugausweis auf meinen Namen ausgestellt! Doch, doch, dass geht in Palermo!! Doch das Wetter lies es nicht zu, die Laika aus Italien in die Schweiz zu holen.

Es hat lange viel zu viel Schnee gehabt um den Wohnwagen abzuholen und endlich im Februar konnte ich die Reise in Angriff nehmen. Mit dem Hänger runter und am gleichen Tag wieder rauf. Kurz und schmerzlos sollte es sein, aber eben ...

Thun ab Richtung Kandersteg, mit dem Zug durch den Lötschberg, alles Bestens. Danach über Visp nach Brig um dort den Autozug nach Iselle zu nehmen. Keine Verspätung, kurze Wartezeiten. Im Tunnel durch den Simplon kreutzen wir einen anderen Zug und die Druckwelle reisst ein Loch in die Plane des Anhängers. Ein riesen Lärm und die Plane hängt am hintersten Pfosten des Anhänger und schlägt mit voller Wucht permanent auf den hinteren Wagen. Ich steige bei gefühlten 150km aus dem Auto aus und besteige den Anhänger, mit viel Kraft schaffe ich es die Plane um den Pfosten zu wickeln damit sie die Angriffe auf den hintern Wagen sein lässt.

Endlich auf der anderen Seite angekommen verlassen wir den Autozug und studieren die Beschädigungen am Auto. Zum Glück konnten wir nur Kratzer und keine Beulen feststellen. Die Beifahrerein hatte während der Fahrt riesige Angst, dass durch das Schlagen die Windschutzscheibe in tausend Stücke zerbrechen würde.  Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Sie ist mit einem Schrecken davon gekommen und ich mit einem Hänger ohne Plane und 1000 Euro weniger in der Tasche. Das Ausfüllen des Schadenformular für die Versicherung war auch lustig. Der Schaden wurde zum Glück übernommen.

Mit 2 Stunden Verspätung bin ich doch noch in Vaglio angekommen. Jetzt musste ich zuerst den Wohnwagen von seiner Schneelast befreien. Dank dem schönen Wetter in der Schweiz war meine Bekleidung nicht gerade schneefest! Den Anhänger stellte ich hin und nahm den Wohnwagen an den Hacken. Rückwärts konnte ich ihn so auf den Hänger raufstossen und dann festzurren. Lustig sieht es aus, erst auf dem Hänger fällt einem die "Grösse" auf, oder heisst es "Kleine"?

Die Rückreise verlief komischerweise problemlos und ich war noch am selben Abend zurück.